Jens Castrop und Cristian Fiél vom 1. FC Nürnberg unterhalten sich.
Profis | 30. März 2024, 09:00 Uhr

Kiek ma, wer da kommt: Nürnberg

Den 1. FC Nürnberg und Hertha BSC verbinden viel Tradition und lange Vereinshistorien, in deren Verlauf sich die Wege immer wieder kreuzten. Bereits 1927 duellierten sich die Alte Dame und der Club im Endspiel um die deutsche Meisterschaft, welches die Franken für sich entschieden. Auch ihr erstes Bundesliga-Spiel bestritten beide Seiten gegeneinander, August 1963 hieß es im Olympiastadion 1:1. Dort sieht man sich nun über 60 Jahre später in der Abendpartie des 27. Spieltages der 2. Bundesliga wieder (30.03.24, 20:30 Uhr, Tickets hier). „Wir freuen uns auf die Kulisse, das Stadion, einen guten Gegner. Mit einem Sieg können wir zwei Punkte vor Hertha sein – und das ist unser Ziel“, unterstreicht Trainer Cristian Fiél. Vor dem Kräftemessen beleuchtet herthabsc.com den Verein mit den Traditionsfarben Weinrot und Schwarz in der Gegnervorschau.

Die sportliche Situation: Die Süddeutschen liegen wie bereits angedeutet nach 26 Spieltagen einen Platz und einen Punkt hinter unserer Alten Dame. 36 Zähler holte die Fiél-Elf in der Liga, sechs davon bisher im März, wo vor der jüngsten Niederlage gegen Spitzenreiter St. Pauli (0:2) Erfolge in Magdeburg (1:0) und gegen Braunschweig (2:1) gelungen sind. Nun sollen im Ligaendspurt noch möglichst viele Punkte hinzukommen, nachdem im DFB-Pokal das Achtelfinale gegen Kaiserslautern die Endstation darstellte (0:2). „Es kommt jetzt darauf an, so erfolgreich wie nur möglich Fußball zu spielen“, sagt der Fußballlehrer vor der Dienstfahrt an die Spree. Dort erwartet der ehemalige Mittelfeldspieler „eine schöne Aufgabe, der wir uns gerne stellen!“

Die Nürnberger im Fokus: Es liegt nahe, in diesem Abschnitt Can Uzun zu nennen. Das große Talent ist mit seinen 13 Saisontreffern mit deutlichem Abstand bester Torschütze, spielt sich seit Monaten in den Fokus und debütierte im März auch im türkischen Nationalteam. Der 18-Jährige steht exemplarisch für den gut gefüllten Nürnberger Talentepool. „Der 1. FC Nürnberg ist zurzeit eher ein Entwicklungsverein als ein Verein, der fertige Spieler einkaufen kann. Damit müssen und können wir ganz gut leben, wenn wir es schaffen, gleichzeitig immer wieder junge Spieler zu entwickeln“, skizziert Sportdirektor Olaf Rebbe. Weitere Beispiele für diesen Ansatz: Der bereits von Frankfurt verpflichtete Nathaniel Brown, Jens Castrop, Nathaniel Brown und Finn Jeltsch. Mittelfeldmann Castrop, vor der Saison aus Köln in den Süden gewechselt, hat sich im Team festgespielt und kam in der Länderspielpause auch zu seinem Einstand in der U21 des DFB. U17-Welt- und Europameister Jeltsch debütierte im Februar in der ersten Mannschaft, stand zuletzt vier Mal in Folge in der Startelf und wusste dabei direkt zu überzeugen.

Márton Dárdai und Toni Leistner gratulieren einem Nürnberger Profi zum Sieg.
Fair, aber schmerzhaft: Dárdai und Leistner gratulieren dem Kontrahenten nach dem Hinspiel.

Das Hinrundenduell: Hinterlässt bei unseren Hauptstädtern keine guten Erinnerungen. Nach Pausenführung durch den Treffer von Smail Prevljak (15.) drehten die Hausherren das Spiel im Max-Morlock-Stadion trotz eines gehaltenen Strafstoßes von Tjark Ernst noch in ein 3:1. Im Anschluss an den Ausgleich durch Florian Flick (57.) gerieten unsere Blau-Weißen nach Platzverweis von Marc Kempf (68.) zwischenzeitlich in Unterzahl, ein Eigentor von Toni Leistner (72.) und das dritte FCN-Tor durch Daichi Hayashi (84.) besiegelten die Pleite. „Bis zum 1:0 waren wir gut im Spiel, danach sind wir zu sehr in den Verwaltungsmodus verfallen. Das waren verschenkte Punkte, mit der Führung im Rücken müssen wir besser spielen“, ärgerte sich unser Kapitän damals. Ein zusätzlicher Ansporn, es diesmal besser zu machen!

Die Meinung über unsere Elf: Die Franken werden hingegen an diese Begegnung anknüpfen wollen und reisen mit Vorfreude nach Spreeathen. „Wenn ich mir den Kader von Hertha ansehe, ist da einiges an Qualität vorhanden. Es werden am Samstagabend schon ein paar Zuschauer kommen und das wird geil. Darauf sollten wir uns freuen“, blickt Coach Fiél voraus. Er erwartet unser Team hungrig. „Die Herthaner werden versuchen, vor eigenem Publikum die vorderen Mannschaften mit einem Sieg noch einmal unter Druck zu setzen und oben ran zu schnuppern. Im Umschalten sind sie top, haben unfassbar viel Tempo im Kader. Uns muss klar sein, dass es bei Ballverlusten sofort in Richtung unseres Tores gehen wird“, analysiert der 44-Jährige, der mit einem spielerisch starken Gegner rechnet. „Hertha hat viele junge Talente, viele Kicker im Kader, wie man das aus Berlin kennt. Wir müssen einen sehr mutigen Auftritt hinlegen!“

von Konstantin Keller